#11# Reha Dr. Phu - Die Rehaklinik für Trackables & Coins (Schweiz / Nähe Basel)

Habt ihr schon einmal von der Rehaklinik Dr. Phu für Trackables und Coins in der Nähe von Basel gehört? Dort gibt es die bisher einzige Rehaklinik für TBs und Coins, welche sich in einem schlechten Zustand befinden. Diese werden hier wieder ordentlich "aufgepimpt" und "verwöhnt" und für die Weiterreise vorbereitet. Wer steckt dahinter und was sind seine Ambitionen? Wie sind die genauen Abläufe und wie muss man sich diesen Prozess vorstellen? Wir finden das alles sehr spannend, irgendwie auch ein wenig verrückt und haben nachgefragt.

 

Der Chefarzt höchstpersönlich
Der Chefarzt höchstpersönlich

Das Interview


1. Stell Dich doch einmal vor.

 

Ich bin Francis Juriens und erreiche im Herbst Level 59. Dies sage ich deshalb, weil ich immer noch 100 %-ig berufstätig bin und somit meine Tätigkeit als „Assistenzarzt der Reha Dr. Phu“ vollumfänglich in meiner Freizeit ausführe. Hier in einem Vorort von Basel lebe ich zusammen mit meiner Familie, sprich mit meiner Frau und unseren beiden Kinder. Wenn ich nicht am „herumdoktern“ bin, gehe ich als Bankkaufmann meinem Beruf nach.

 

2. Seit wann betreibst du Geocaching und wie bist du dazu gekommen?

 

Am 11. Mai 2010 habe ich mich bei Groudspeak angemeldet und 3 Tage später war ich bereits Premium-Mitglied und legte mir mein erstes Garmin 62C zu. Dazugekommen bin ich durch meinen beruflichen Vorgesetzen FCBDOS, welcher mir von einer Tätigkeit berichtete, bei welcher Technik und Bewegung mitspielte. Sofort war ich Feuer und Flamme und wollte umgehend genauer wissen, wie das funktioniert. Da mir der Arzt sowieso mehr Bewegung verordnete, wusste ich dazumal, das ist genau das Richtige für mich. Weg vom PC und der Konsole – raus in die Natur verbunden mit technischem Schnick-Schnack.

 

3. Wie ist dein Name entstanden, welchen du auf deinem Geocaching - Account nutzt?

 

Der Name Phuryhr (ausgesprochen Furier) kommt daher, dass ich in meiner Wohngemeinde in der Feuerwehr tätig war. Dort gibt es einen Rang der dem „Rechnungsführer“ gleichkommt, aber in der Schweiz als Fourier bezeichnet wird. Phuryhr ist lediglich eine andere von mir „konstruierte“ Schreibweise.

 


4. Wie oft gehst du Geocachen?

 

Heute oder aktuell: Praktisch gar nicht mehr. Meine Tätigkeit nimmt mich zu fest in Anspruch. Dies ist im Moment jedoch überhaupt kein Problem und ich liebe diese Tätigkeit voll und ganz. Einzig an Events nehme ich noch ab und an teil. Dies ist auch ganz wichtig, um die TB’s und Coins wieder unter die Community zu verteilen. Vor der „Dr. Phu-Zeit“ gingen FCBDOS und ich regelmässig jeden Donnerstag-Abend cachen. Dazu kamen Samstags- oder Sonntagsausflüge mit und ohne Familie und / oder Cacherfreunde oder ganze Wochenenden, die wir mit cachen verbracht haben.

 

5. Wie planst du deine Touren und Ausflüge?

 

Im Moment plane ich gar nichts mehr. Aber davor planten wir so, dass wir uns ein paar ganz tolle Caches ausgesucht haben und diese sowie das „Beigemüse“ darumherum gesucht haben. Ganz zu Beginn meiner Cacherzeit haben wir noch Listen mit EXCEL erstellt, welche wir besuchen wollten. Das haben wir dann irgendwann aufgeben, da wir mehr und mehr online mit den diversen Apps nach Caches suchten und immer mehr auf „spontan“ umstellten.

 

6. Was machst du sonst so (Interessen / Hobbies)?

 

Vor allem lesen (wobei ich mich hier auf Hörbücher oder das gesprochene Buch konzentriere) und wenn gutes Essen als Interesse bezeichnet werden kann, gehört dies definitiv auch zu meinen Hobbies dazu. Am liebsten mag ich die französische Küche.

 

Eine gute Vorbereitung ist alles im Leben.


7. Welche App nutzt Du?

 

Als Assistenzarzt verwende ich vor allem „TBScan“ und „GSAK“. Da ich ja über alle Patienten eine Akte führe brauche ich dazu ebenfalls eine geeignete Software. Hier bin ich mit „Ninox“ unterwegs, da diese Software auf dem PC (Windows) und auf dem IPhone läuft und sich über eine Cloud permanent synchronisiert. Zu meiner aktiven Cacherzeit verwendete ich zuletzt das Garmin 750 und Cachly.

 

8. Gehst du lieber urban cachen oder in der Natur?

 

Das spielt oder besser gesagt spielte für mich keine Rolle. Beides hat seinen Reiz und kann nicht miteinander verglichen werden.

 

9. Wie würdest du die Community beschreiben?

 

Im Grossen und Ganzen ist es eine tolle Community mit ein paar Ausnahmen. Die gibt es überall und wenn ich das so nicht akzeptieren könnte, müsste ich mit dem Cachen aufhören.

 

Verwöhnutensilien


10. Was ist für dich der Sinn des Geocachens?

 

Bewegung, Abenteuer, spannende Begegnungen mit der Umwelt, das Entdecken neuer, wunderschöner Naturspektakel, Zeit mit Freunden, abschalten vom Alltag.

 

11. Du hast ja auch ein recht ungewöhnliches Hobby und unterhältst die 1. Rehaklinik für TBs und Coins. Wie muss man sich das Ganze vorstellen?

 

Die TB’s und Coins welche ich erhalte, werden zuerst vor dem OP fotografiert, danach gereinigt, eventuell repariert und dann wieder ausgesetzt. Die Reinigung erfolgt sehr unterschiedlich, je nach Material und Zusammensetzung des Reisenden. Von Ultraschallbad hin zur Waschmaschine oder auch manuelle Reinigung mache ich alles. Reparaturen betreffen vor allem die Kugelketten, die Verschlüsse oder die laminierten Zettel. Meistens ersetze ich das Laminat und die Kugelketten.Plastikverbindungen (Kabelbinder) werden ersetzt, da diese unter Kälte und Wärme sowie Feuchtigkeit stark leiden. Spannringe oder Spaltringe entfernt, diese neigen dazu die „Hundemarke“ zu verformen und auszuleiern. Eventuell muss ein Ersatz-TB her – dies jedoch nur, wenn der Owner selber noch aktiv ist. Dabei verwende ich vorhandene Fotos um einen Schlüsselanhänger zu erstellen.Wichtig ist für mich, möglichst gar nichts am TB oder Coin zu verändern, sondern lediglich so aufzubereiten, dass er wieder „reisetüchtig“ ist und so möglichst lange weiterlebt. Zum Schluss gibt es nochmals ein Foto aus der Ruhezone und schon kann es weitergehen.

Natürlich habe ich auch Reisende, welche die Reha lediglich besuchen, das heisst die TB’s und Coins sind in einem tadellosen Zustand und benötigen keinen Unterhalt.Die Reha hat auch eine Geburtsabteilung. Hier werden TB’s und Coins von Ownern auf die Reise geschickt, das heisst sie erhalten einen Destinationstag und werden nochmals daraufhin kontrolliert,ob alles für eine lange Reise in Ordnung ist.

 

12. Wie ist die Idee dazu entstanden?

 

Schuld daran ist die schweizerische Post. Die Ruhezone war unser ehemaliger Briefkasten. Dieser entsprach jedoch nicht mehr der vorgegeben Norm. Deshalb musste ich diesen ersetzen. Nun, was machen wir mit dem entstandenen Loch. Schon bald kam die Idee eines Caches auf und da ich TB’s und Coins schon immer toll fand, wollte ich die Idee eines TB-Hotels umsetzen. Nun davon gibt es ja viele und deshalb suchte ich nach etwas Ausgefallenem. Da meine Frau und meine Tochter im Pflegeberuf tätig sind, kam auch schon bald die Idee eines Spitals oder einer Apotheke. Hinzu kam, dass ich mich immer wieder über schlechte TB’s und Coins in vergammelten Schutzhüllen ärgerte oder solche welche gar einfach in einem feuchten Cache lagen. Ganz zu schweigen von Kuscheltieren,welche ja zum Teil recht übel riechen, nein stinken. So entstand nach und nach die Idee eines Spitals. Da ich meine Tätigkeit jedoch schlecht vor Ort betreiben kann, sollte der Cache selber eine Art „Erholungszone“ hergeben. Die eigentliche Tätigkeit findet im Hobbyraum statt. Somit fehlte eigentlich nur noch der Name. In der Community wurde ich schon oft nur mit Phu angesprochen und da war klar es wird die „Reha Dr. Phu“.

 


13. Wie kommt das Ganze in der Community an? Was für ein Feedback bekommst du?

 

Eigentlich erhalte ich durchweg positive Rückmeldungen. Dies entnehme ich den teilweise ausführlichen Logs, sowie an den Reaktionen auf Events. Ebenfalls erhalte ich fast täglich Mails von Ownern, welche sich ganz persönlich und sehr liebevoll für meine Tätigkeit bedanken. Auch das Interesse der Community an meiner Tätigkeit ist für mich ein positives Feedback und gerne nehme ich stets Verbesserungsideen für meine Tätigkeit auf. Vor allem zu Beginn konnte ich einiges rasch umsetzen, was zu einer verbesserten Qualität meiner Arbeit führte.Bis jetzt habe ich eigentlich nur von 3 Personen ein negatives Feedback zu meiner Tätigkeit erhalten. DREI und das bei knapp 4‘000 versorgen Patienten. Was soll‘s...

 

14. Wo genau findet man die Rehaklinik?

 

Genau genommen befindet sich die Rehaklinik hinter verschlossenen Türen. Kein Spital gewährt ja direkten Zugang zu den Behandlungsräumen, geschweige denn zum eigentlichen OP. Finden kann man leidglich die Ruhezone. Die befindet sich an den angegebenen Koordinaten. Geographisch gesehen rund 5 Kilometer südlich von Basel am Rheinknie. Auf Anfrage hin kann die eigentliche Reha auch besichtigt werden. Dazu einfach mit mir einen Termin ausmachen, damit ich auch sicher vor Ort bin und je nach Interesse alles zeigen kann.

 

15. Wieviele Stunden bist du täglich bzw wöchentlich aktiv, um TBs und Coins wieder aufzubereiten?

 

Pro Tag verwende ich rund 1 Stunde mit diversen administrativen Arbeiten. Dies betrifft vor allem das Ein- und Ausbuchen in der Datenbank, in welcher alle Patienten und Besucher aufgenommen werden. So kann ich von jedem TB sagen wann er wie lange bei mir war, nach wievielen Kilometern er die Reha besucht hat, wer ihn gebracht und wer ihn wieder abgeholt hat. Dazu wird vermerkt, wo der TB das erste mal ausgesetzt wurde und was sein Reiseziel ist.
An den Wochenende bin ich dann als „Doktor“ unterwegs. Dazu verwende ich oft das ganze Wochenende und manchmal auch einen zusätzlichen freien Tag. Da ich ja eine genaue Statistik führe, weiss ich auch jederzeit, wieviel Aufwand betrieben wird. Zurzeit sind es über 5 TB’s und/oder Coins, welche ich durchschnittlich pro Tag für die Weiterreise behandle.

 

Datenbankpflege


16. Du machst das Ganze ehrenamtlich oder wird es dir in irgendeiner Form vergütet?

 

Nein, alles ehrenamtlich. Die Community verlangt ja auch nichts, wenn ich ihre Caches besuche. Und wie sagen wir doch immer alle - „Cachen kostet nichts...“ Ich habe eigens angefertigte Coins für diejenigen, die mir 100 Bronze / 250 Silber / 500 Gold - TBs und / oder Coins zur Pflege überbracht haben. Da ich ja alles sehr genau dokumentiere, ist es auch kein Problem für mich das nachzuvollziehen.

 

17. Was würdest du einem Anfänger mit auf den Weg geben?

 

Für TB’s und Coins? Verwende keine Spaltringe, das verursacht Beschädigungen an den Hundemarken, auch keine Kabelbinder, Schnüre oder Faden. Diese leiden bei Temperaturschwankungen und bei Feuchtigkeit. Laminate immer nur dort lochen wo kein Papier ist. Nie durch den Inhalt lochen, da durch das Loch im Laminat Feuchtigkeit eindringt und das Papier beschädigt. Dazu hochwertige Folien verwenden mit mindestens 2 x 100 MIC. Am besten wäre sogar 2 x 175 MIC. TB’s und vor allem auch Coins verschwinden sehr schnell und dies aus diversen Gründen. Also sobald ein TB oder Coin auf die Reise geschickt wird, sollte dieser „abgeschrieben“ sein. Freut euch über jeden Log den ihr erhaltet. Wenn noch ab und zu ein Bild dabei ist, umso besser. Für mich ist es auch in Ordnung, wenn von teuren Coins eine Kopie hergestellt wird. Auch diese können sehr schön daherkommen, wenn nicht nur der Coin fotokopiert wird, sondern der Reisende entsprechend etwas gepimpt wird.

 

18. Was treibt dich immer wieder nach draußen auf Dosensuche?

 

Da muss ich wohl warten bis ich in Rente bin. Es fehlt mir schlichtweg einfach die Zeit.

 


19. Was war dein persönliches Highlight im Laufe deiner Geocaching - Zeit?

 

2013: Meine Europareise „Wir sind dann mal weg“ zusammen mit FCBDOS meinem Cachevater. In knapp drei Wochen kurvten wir durch 11 Länder und absolvierten 7‘700 Kilometer und fanden dabei 550 Dosen.

 

2017 Projekt 2400 – In Montpellier eine Tour mit 2‘400 Dosen in rund 10 Tagen.

 

Beide Touren sind übrigens auf Facebook dokumentiert.

 

20. Was war deine spannendste Tour / dein schönstes Erlebnis?

 

Da gab es diverse an den verschiedensten Orten. Die Liste würde ewig lang werden und ist doch sehr individuell. Fast jedes Jahr planten wir auch ein verlängertes Auslands-Wochenende. Meistens sind wir da zu Viert bis zu Sechst unterwegs gewesen und suchten uns eine schöne Gegend aus, in welcher wir auch noch ein paar tolle Caches finden konnten. Natürlich durfte das Kulturelle nie vergessen gehen und ganz wichtig war jeweils der kulinarische Aspekt. Die schönsten Erlebnisse habe ich aber immer dann, wenn sich jemand bei mir meldet und sich für meine Arbeit interessiert oder sich für meine Tätigkeit bedankt. Das zeigt mir jeweils, dass ich mit der Idee und mit der Arbeit der Community etwas davon zurückgeben kann, was ich von ihr erhalte.

 

21. Dein Lieblingscache?

 

Ohne Frage entweder: GC6EW5B (archiviert) oder aber: GC66XA0

 


22. Hast du eine Message an die Community?

 

Es gebührt JEDEM ein grosses Dankeschön mit seinem persönlichen Beitrag für die Community. Herzlichen Dank euch Beiden für euer Interesse an meiner Tätigkeit und auch dafür, dass ihr mir einen Platz gewährt meine Arbeit der Community vorstellen zu dürfen.

 

Wir danken dir für diesen sehr netten Austausch und wünschen dir auch weiterhin viel Erfolg mit deiner Rehaklinik.

Der Lohn für diejenigen, die mir 100 Bronze / 250 Silber / 500 Gold - TBs und / oder Coins zur Pflege überbracht haben.

Wir hoffen euch hat das Lesen dieses Interviews ein wenig Freude bereitet und wir konnten euch wieder eine spannende Persönlichkeit aus der Geocaching - Community etwas genauer vorstellen. In unserem eigenen kleinen TB - Hotel hatten wir auch schon Gäste, die in der Rehaklinik in der Nähe von Basel zur Weiterreise wieder aufbereitet worden sind. Wer die Klinik auch einmal besuchen möchte bzw. dem TB - und Coin - Doktor folgen möchte, für diejenigen haben wir hier sein Profil verlinkt.


Bleibt alle gesund und bis zum nächsten Mal,


Micha & Karo